Bergrennen Saison 2007
Es ist jetzt bereits Oktober und das Jahr neigt sich immer mehr seinem Ende zu. Zeit, sich einmal alle schönen und aufregenden Dinge noch einmal vor Augen zu führen. Einen großen Anteil dieser Dinge machten dieses Jahr sowohl die Vorbereitungen als auch die Teilnahme an verschiedenen Bergrennen aus. Genau wie im letzten Jahr hatte ich vor, mit dem Alfa 75 "Schweiz" wieder einige Rennen zu bestreiten. Bereits im Winter musste der Wagen auf Vordermann gebracht werden. Die letzte Saison hat gezeigt, dass uralte Stoßdämpfer und verhärtete Straßenreifen nicht unbedingt zum Erreichen von Bestzeiten beitragen. Auch zeigte sich das Blech im Bereich des Radlaufes hinten links nicht von seiner besten Seite. Also habe ich einen Radlauf eingepasst und schön verschweißt. Diverse Stellen (wie z. B. die Abschleppöse an der Reserveradmulde) mussten ebenfalls mit neuem Blech versehen werden. Auch den Spoiler auf der Heckklappe, der mir nicht so 100%ig gefiel, habe ich demontiert und die Bohrungen zugeschweißt. Den rostigen Tank habe ich ausgebaut und wieder in Stand gesetzt. Die alten Stoßdämpfer mussten endlich guten gebrauchten Bilsteindämpfern aus meinem Fundus weichen. Das Wattgestänge und die Nachlaufstreben an der Vorderachse habe ich mit neuen Gummilagern versehen. Ich habe dem Wagen einen neuen Öldruckgeber spendiert und die Ventile eingestellt. Die alten Reifen wurden durch weiche Avon-Slicks ersetzt. So stand Ende April dann endlich wieder ein voll funktionsfähiger Wagen in der Scheune, der den Eindruck erweckte, als könne man mit ihm doch relativ zügig die Berge hinauffahren. Da der Wagen dieses Jahr aber keine Straßenzulassung mehr hat, musste der sogenannte DMSB-Wagenpass (Deutscher Motor Sport Bund) erstellt werden, für den das Fahrzeug einem DMSB Sachverständigen vorgeführt werden muss, der alles auf seine Richtigkeit hin überprüft (und nebenbei dem ohnehin schon gebeutelten Menschen noch mal ein bisschen die Taschen erleichtert).
Also hatte ich einen Gruppe G Tourenwagen ohne Straßenzulassung aber mit Wagenpass und einen Volvo 945, den ich mir im Winter gekauft habe (Damit fahre ich zur Arbeit und sonst auch überall hin). Der kann einiges ziehen. Aber einen Anhänger hatte ich noch nicht. Also zog ich los und kaufte mir meinen eigenen Kfz-Transportanhänger der Firma Pongratz, den ich noch mit der Antischlingerkupplung von Winterhoff ausgestattet habe (Vorschrift für 1900kg am Volvo 945). Spätestens jetzt war auch mein Konto relativ stark in Mitleidenschaft gezogen. Aber ich hatte alles (bis auf regentaugliche Reifen für den Alfa) zusammen und musste nur noch mal eben das Startgeld für das Ibergrennen überweisen...
Ibergrennen am 23. und 24. 06. 2007 in Bad Heiligenstadt
Nach einer Fahrt bei schönem Sommerwetter im Volvo und mit dem Alfa 75 im Rückspiegel kam ich Freitag Abend im doch schon stark gefüllten Fahrerlager an, welches sich in der Stadt Bad Heiligenstadt im Eichsfeld (Thüringen) breit machte. Dort traf ich mich mit meinem Bruder Jörg und wir suchten einen einigermaßen tauglichen Platz. Nachdem ich die Papierabnahme hinter mich gebracht hatte und alles soweit ausgeladen und aufgebaut war, haben wir schön den Grill angeschmissen und den Tag gemütlich ausklingen lassen. Ich habe sehr bequem im göttlichen Laderaum des Volvos genächtigt, so dass ich am Nächsten Morgen sehr entspannt aufstehen konnte. Allerdings war vom schönen Sommerwetter weit und breit nichts zu sehen. Auch die Straße war noch etwas nass, so dass ich die Winterreifen auf dem 75er gelassen habe (Mit tauglichen Regenreifen bin ich ja noch nicht ausgestattet gewesen!). So gings also das erste Mal zum Start und dann den Berg hinauf. Die Reifen waren absolut unfahrbar und die Fahrt wurde zu einer Rutschpartie sondergleichen. Also blieb uns keine Wahl und mein Bruder baute die Slicks drauf. Glücklicherweise blieb der Tag trocken, so dass die Reifen die richtige Wahl waren. Die Haftung der Reifen eröffnete mir ganz neue Welten aber förderten auch neue Probleme zu Tage. Rückblickend kann man sagen, dass der erste Trainingstag problemlos verlief, es gab keine technischen Probleme und das Auto blieb ganz. Die Zeiten ließen allerdings noch etwas zu wünschen übrig aber eine völlig unbekannte Strecke muss auch ersteinmal erkundet werden. Nach Dienstschluss sind mein Bruder und ich in den sehr zu empfehlenden Ratskeller der Stadt gegangen um nett zu Essen. Nach einer anschließenden kleinen Wanderung durch die wirklich schöne Gegend und einer Erkundung der Rennstrecke zu Fuß konnte ich dann wieder gut schlafen.
Nach einem leckeren Frühstück gings dann wieder am Sonntag in Richtung Start. Auch an diesem Tag blieb es trocken, so dass ich mit den Reifen gut bedient war. Es wurden drei Wertungsläufe gefahren und es gelang mir, mich bei jedem Lauf ein wenig zu verbessern. Trotzdem musste ich mich dem Jürgen Krause (knapp) auf seinem Ford Fiesta und dem Torsten Fischer auf seinem Opel Calibra 16v geschlagen geben. In der Gesamtwertung waren jedoch noch einige Fahrzeuge hinter mir (z.B. reinrassige Rennwagen wie NSU TT) und viele Fahrzeuge sahen die Zielflagge erst garnicht. Alles in allem war das Wochenende gelungen und das Auto war in Ordnung. Schwächen des Fahrzeuges wurden deutlich, so dass man an der Verbesserung der Abstimmung arbeiten kann. Nachdem alles wieder verstaut und der Wagen aufgeladen war, ging es gemütlich wieder nach Haus.
Beste Zeit: 1,23,902min
Durchschittsgeschwindigkeit: 85,81km/h
Volvo 940 in der Abendsonne Beim Grillabend (v. r. Bruder Jörg und ich)
Nach dem Start
Hauenstein-Bergrennen am 28. und 29. 07. 2007 in der Rhön
Es war eine wunderschöne Fahrt über die Berge der Röhn. Die Sonne schien noch am Abend als Jörg und ich im beschaulichen Ort Hausen mit unserem Gespann eintrafen. Nach der schwierigen Suche nach einem Platz im Fahrerlager und der obligatorischen Papierabnahme konnten Pavillion und Zelt aufgestellt sowie der Alfa abgeladen werden. Nach einer kleinen Stärkung vom Gaskocher ging es dann zu Fuß die 4,2km lange und sehr schnelle Rennstrecke hoch um auch mal in Ruhe alles anschauen zu können. Nach der Wanderung haben wir der Party im Festzelt noch einen Besuch abgestattet, um noch eine kühle Cola bei Livemusik zu trinken. Als wir dann müde waren, haben wir uns schön ins Zelt gelegt und wären da nicht die alkoholisierten Zeltnachbarn gewesen, hätten wir bestimmt auch gut geschlafen.
Der nächste Tag überraschte uns mit echt fiesem Regenwetter und die frischen, profilierten Kumho Ecsta V700 mussten drauf. Den ganzen Tag lang blieb das Wetter sehr schlecht und ein mächtiger Platzregen versaute mir den dritten Lauf komplett. Die Sicht war gleich Null und die Aquaplaninggefahr war ziemlich hoch. Der beste Lauf am Trainingstag war Lauf Nr. 2, bei dem allerdings noch 10 Sekunden auf den führenden Calibra-Pilot Torsten Fischer fehlten. Trotzdem war ich mit dem ersten Renneinsatz meines Lebens bei Dauerregen zufrieden, denn ich habe nicht in der ersten scharfen Rechtskurve, auf die man mit ca. 100km/h zufährt, die Leitplanke geküsst. Diese Kurve wurde bereits am Trainingstag vielen Fahrern zum Verhängnis. Pünktlich gegen Feierabend kam dann auch wieder die Sonne raus und wir machten uns auf, um den Hausener Streuobst-Lehrpfad zu bewandern. Nachdem Jörg noch etwas auf dem Kocher gezaubert hatte, die Dunkelheit einbrach und wir schon sehr müde waren, gings auch schon schlafen.
Der Morgen am Rennsonntag war auch eher grau und es dauerte nicht lange, bis die ersten Regentropfen aus den sehr schnell ziehenden Wolken fielen. Als die ersten Autos den Berg hinauf gefahren sind (also auch ich mit meinem Alfa 75), war die Straße noch recht trocken, so dass die Zeiten deutlich besser als im Regen waren. Ich war in diesem Lauf mit 2:41 nur noch um ca. 6 Sekunden langsamer als der Calibra. In den anderen zwei Läufen kam der Regen in voller Pracht wieder zurück und das Chaos setzte ein. Unser Standplatz wurde immer mehr zu einer Schlammwüste. Auch wurden Starts verschoben und die ganze Sache machte nicht mehr den wirklich großen Spaß. Im dritten Lauf kam ich bis auf drei Sekunden an die Konkurrenz heran. Mit diesem Ergebnis war ich sehr zufrieden und konnte guter Dinge wieder nach Hause starten. Wenn der Volvo nicht gestreikt hätte. Aber auch das Problem verschwand wieder und es ging los in Richtung Heimat.
Beste Zeit: 2.41.721 (einziger trockener Lauf)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 93,5km/h

Im Fahrerlager und zur Trockenzeit Beim Frühstück
In der ersten Rechts bei Starkregen

In der "Box"
Osnabrücker Bergrennen am 11. und 12. 08. 2007 in Borgloh
Bei schönstem Wetter und voller Energie habe ich mich als Einzelkämpfer bei meinem Heimspiel (ca. 3km von meine Scheune entfernt) im Fahrerlager häuslich eingerichtet. Nachdem die Arbeit getan war konnte ich im eigenen Bett schlafen.
Entsprechend entspannt konnte ich dann auch am Trainingstag zum Ort des Geschehens aufbrechen um ordentlich auf das rechte Pedal zu drücken. Bereits an diesem Tag konnte ich meine Klassengegner Jürgen Krause im Ford Fiesta XR2i knapp (er schlug mich am Iberg!) und Mareike Rosteck im mächtig aufgemotzten Mazda MX5 problemlos auf die Plätze verweisen. Bei schönstem Sommerwetter habe ich mir als Zuschauer den vierten und letzten Lauf angeschaut um auch einmal Raketen-Bruno Ianiello im heißen Lancia Delta S4 oder Norbert Handa im Integrale anzuschauen. Auch Reto Meisel mit seinem Judd-Mercedes 190 sowie Norbert Brenner im DTM Astra Coupe waren was fürs Auge und für die Ohren. Mit anderen Worten: Der Trainingstag verlief super und ich konnte dann schon mal Anlauf auf den Renntag nehmen.
Der Renntag in der Borgloher Schweiz verlief ebenso gut wie das Training. Der Wettergott hatte uns wieder Sommerwetter spendiert und der Asphalt wurde immer heißer. Die weichen Slicks schwächelten bei den Temperaturen schon ein wenig aber es reichte aus, um den Klassensieg zu holen. Mit ca. 7 Sekunden Vorsprung nach Addition der vier Wertungsläufe auf der 2,03km langen Strecke konnte mich Jürgen Krause nicht mehr packen. Mareike Rosteck hat am Renntag wohl auch den Dreh gefunden und wurde mit einem Rückstand von ca.12 Sekunden auf den 75 nach allen Läufen dritte.
Dieses Rennwochenende war ein Traum. Es war eine Superveranstaltung bei Superwetter und es kamen mehrere 10.000 Besucher an die landschaftlich sehr schön gelegene Strecke. Hier ein Dank an Bernd Stegmann und seine Leute vom MSC Osnabrück. Ich hatte das erste Mal so etwas wie Erfolg. Dieser Erfolg gibt mir Kraft, weiter zu machen und den 75 weiter zu entwickeln. Ich kenne relativ gut die Schwächen des Fahrzeugs auf engen, kurvenreichen Strecken, so dass ich versuchen kann, diese Probleme zu minimieren. Ich freue mich auf nächstes Jahr!
Beste Zeit: 1.19.413
Durchschnittsgeschwindigkeit: 92km/h
Alfa 75 im Einsatz (Foto: Bubel) Und so siehts von hinten aus (Foto: Bubel)
Anfahrt zur 180° Kehre nach der Startgeraden Auf der Rückführung
Im Fahrerlager
Bergrennen Unterfranken am 8. und 9. 09. 2007 in Eichenbühl
Als letztes Rennen der Saison 2007 habe ich mir das Bergrennen Unterfranken im wirklich idyllischem Örtchen Eichenbühl ausgesucht. Also machte ich mich, wieder mal als Einzelkämpfer, am Freitag Morgen auf den ca. 400km langen Weg in die Gegend von Miltenberg am Main zwischen Spessart und Odenwald. Nachdem ich mich eingerichtet und die Bergrennstrecke zu Fuß abgelaufen habe, musste ich ja auch noch etwas schönes Essen. Aus dem Vorjahr kannte ich den "Hirschen" in Wenschdorf, einem kleinen Örtchen oberhalb von Miltenberg. Als ich dann spät ins Lager kam um mir den wohlverdienten Schlaf zu holen, war die berüchtigte Zeltparty in vollem Gange aber der Schalldruckpegel war erträglich. Erst als ich nachts aufwachte und die Party schon zu Ende war, hörte ich unglaublich laute und nervende Grölereien zu irgendwelcher schrecklichen Möchtegernmusik. Das zog sich einige Zeit hin, so dass ich Samstag ziemlich gerädert aufgestanden bin. Aber der Gruppe G Fahrer hat nun mal das Los des ersten Fahrers gezogen. Also schnell frisch machen, Motor starten, kurz frühstücken, Slicks drauf und ab zum Start. Und dann warten. Ein Bergrennfahrer muss viel Geduld mitbringen, vor allen Dingen in Eichenbühl. Aber wenn es dann auf der Strecke heiß hergeht, vergisst man schnell solche Probleme.
Am Samstag wurden drei Trainingsläufe gefahren, die alle auf trockener Piste stattfinden konnten. Das Traumwetter war jedoch noch nicht in Sicht. An diesem Tag konnte ich mit einer 1.54er Zeit starten, die etwas schlechter als die beste Zeit im letzten Jahr auf Straßenreifen war. Allerdings war ich mit der Bestzeit von 1.48 am Trainingstag auch schon fast 4 Sekunden besser als im letzten Jahr. Der Tag verlief problemlos und so konnte ich am Abend nach einer leckeren Pizza im Ort auch noch am bayrischen Blaskapellen-Partyleben teilhaben um dann müde ins Bett zu fallen, in dem ich diesmal auch vorzüglich genächtigt habe.
Der Sonntag brachte trockenes und ab und zu sonniges Wetter. Die Veranstaltung war gut besucht. Ich konnte meine Zeiten auf der schnellen Strecke noch etwas verbessern. Da ich in meiner Klasse aber der einzige Teilnehmer war, erübrigt sich die Frage nach der Konkurrenz. Ich war etwas schneller als Christian Bodner in seinem Toyota Corolla (G4) und etwas langsamer als die Gruppe G1. Ich habe mich deutlich im Vergleich zum Vorjahr gesteigert und das Auto ist wesentlich stabiler geworden, so dass ein Dreher aus dem letzten Jahr nicht wiederholt wurde. Also alles bestens. Mit entsprechend guter Laune habe ich dann nach der Siegerehrung wieder die Heimreise angetreten.
Die Saison 2007 verlief gut, ich habe viel von und mit den Alfa 75 gelernt, vier schöne Rennstrecken aus der Umgebung kennen gelernt, nette Menschen getroffen, Ideen für die nächste Saison gesammelt, auf die ich mich schon sehr freue. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg, viel Arbeit und ob das Geld im nächsten Jahr noch reicht...wer weiß das schon?
Beste Zeit: 1.48.82
Durchschnittsgeschwindigkeit: 100,9km/h
Rast im Sauerland (Katzenfurt) Man muss morgens zeitig raus
Kurz vor der Siegerehrung Voller Einsatz ist gefragt (Foto: Bubel)
Vielen Dank für die tollen Fotos an Thomas Bubel