Bergrennen 2010

Nach dem frühzeitigen Aus im letzten Jahr durch einen schweren Unfall stand ein harter Winter des Schraubens und Flickens vor der Tür. Aber auch dieser Winter verging und die ersten Sonnenstrahlen sowie ein Hauch von Frühling machten trotz allem wieder Lust auf schnelle Fahrten in schöner Landschaft mit einem Transaxle-Alfa. Die Prioritäten der Zukunft standen aber schon fest: Sicherheit vor Schnelligkeit! Denn auch das Durchhaltevermögen (seelischer und körperlicher Art) und der Geldbeutel wurden arg in Anspruch genommen so dass sich beides erst einmal erholen muss.

Dann war es endlich wieder so weit. Am 11.06.2010 machte ich mich auf die lange Reise von Osnabrück nach Fell bzw. Thomm, gelegen in einem wunderschönen Seitental der Mosel bei Trier. Das Wetter war wunderbar und die ruhige, gelassene Atmosphäre ging auch auf mich über. Es hätte also ein echt entspanntes Wochenende werden können wenn da nicht noch diese Rennerei gewesen wäre. So musste ich also am Samstag meine Trainings- und Sonntags meine Rennläufe absolvieren. Aber auch diese Aufgabe konnten wir (mein Auto und ich) meistern ohne uns aus der Ruhe bringen zu lassen. Die für mich neue Strecke machte viel Spaß, zeigte aber auch deutlich die Schwächen eines großen Autos in sehr engen Kurven, von denen eine ganze Reihe zwischen Fell und Thomm zu finden sind.

Das Resultat aus sportlicher Sicht war folgendes: Ich belegte Platz 2 von 3 Teilnehmern in der Gruppe G3. Den ersten Platz belegte der Lokalmatador Edmund Seiwert im Opel Astra und Sascha Knippel im BMW 318is wurde dritter. Ich erzielte auf der 3,7km langen Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 88km/h. Die gemessene Höchstgeschwindigkeit betrug ca. 138km/h.

Nach der Veranstaltung habe ich dann alle meine sieben Sachen wieder zusammengepackt und machte mich bei schönstem Wetter wieder auf den Weg in Richtung Norden. Dabei befuhr ich mit meinem Gespann schöne Straßen bis hinüber nach Luxemburg (wegen des guten Benzinpreises) und durch die Eifel.

Mein zweiter Ausflug im Jahr 2010 mit dem Twinspark im Gepäck führte mich am 06. August nach Hausen in die wunderschöne Rhön. Schon die Anfahrt von der A7 in Richtung Osten ist ein schönes Erlebnis. Leider war das Wetter sehr düster und regnerisch. Nach einer ruhigen Nacht im Volvo empfing mich wider Erwarten ein sonniger Tag. So konnte ich drei schöne Trainingsläufe absolvieren und den vierten habe ich mir als Zuschauer in der ersten Spitzkehre angeschaut, in der ,wie jedes Jahr, das ein oder andere Fahrzeug vom Kurs abkam. Zwischen meinen Läufen musste ich den Bremskolben an der Hinterachse ein wenig auf die Sprünge helfen, da die Bremse nicht mehr richtig löste. Ansonsten gab es keine Probleme und ich konnte am Abend den obligatorischen Spaziergang ins nahegelegene Fladungen machen. Dort gibt es ein wunderschönes Freilichtmuseum mit einem alten Gasthaus, das über einen verträumten Innenhof verfügt, in dem es sich gemütlich speisen lässt. Der Renn-Sonntag bescherte sowohl den Fahrern als auch dem Veranstalter ein sehr wechselhaftes  Wetter, was ein gewisses Maß an Chaos in den Ablauf brachte. So war für den Großteil der Fahrer der erste Lauf noch auf trockener Piste möglich. Später jedoch gab es immer wieder heftige Schauer, so dass im zweiten Lauf sicherheitshalber auf Regenreifen gestartet wurde. Der dritte Lauf wurde dann nach langem Warten abgesagt, da die Piste gefährlich nass war.

Von den vier Teilnehmern in der Gruppe G3 belegte ich Rang 3 nach Patrick Orth (BMW 318is E30) und André Krämer (BMW 318is E36) sowie vor Holger Alt in seinem Ford Escort RS 2000. Der Erstplatzierte war jedoch für die Konkurrenz uneinholbar weit vorne, der E36 hingegen lag in greifbarer Reichweite vom Alfa 75. Diese Rangfolge machten auch die gemessenen Geschwindigkeiten in der Zieldurchfahrt deutlich. Der E30 war mit 137,8km/h um 10km/h (!!!) schneller als der E36 und der Alfa 75, die beide mit ca. 127km/h eintrudelten. Auf der 4,2km langen Strecke lag meine Durchschnittsgeschwindigkeit im schnellsten Lauf bei 100,3km/h.

Trotz des "nur" erreichten dritten Rangs war für mich das Wochenende gelungen, da keine Unfälle oder Schäden zu verzeichnen waren. Lediglich das miserable Wetter ab Sonntag Vormittag war ein wenig anstrengend.

 

Nun war es endlich so weit. Das Bergrennen in Hilter-Borgloh stand vor der Tür. Das war genau das Rennen, in dem ich im Jahr 2009 den heftigen Kontakt mit der Leitplanke hatte. Und das ausgerechnet vor der Haustüre. Bei diesem Rennen habe ich den Luxus, zu Hause im richtigen Bett zu übernachten. Die Rennstrecke ist nur 15 Autominuten entfernt und die Scheune, in der ich mit den Alfas hantiere, ist nur 5 Autominuten entfernt. Also sind die Voraussetzungen für ein gelungenes Wochenende denkbar gut. Ich schlug mein Quartier im Fahrerlager am späten Freitag Nachmittag auf, brachte die Papier- sowie die technische Abnahme hinter mich und verließ den Ort des Geschehens wieder. 

Wie so oft beim Osnabrücker Bergrennen war auch am Trainingssamstag das Wetter sehr gut. Meine Mitstreiter waren alte Bekannte: der BMW E30, diesmal gesteuert von Ralf Orth, dem Vater von Patrick sowie Holger Alt mit seinem Ford Escort. Am Ende des Tages lagen die Bestzeiten von allen dicht zusammen. 1:17,957min für Ralf Orth, 1:21,888min für mich und 1:23,656min für Holger Alt. Das ließ auf den Renntag hoffen. Allerdings war der Ford gefährlich nah am Heck des Alfas so dass ich mir keine größeren Schnitzer erlauben durfte.

Der Renntag war wieder sonnig und schon im ersten Lauf ging es richtig zur Sache. Ralf Orth legte mit einer 1:17 eine Zeit hin, die ich selbst zu meiner besten Zeit nicht erreicht habe. Meine 1:22er Zeit fand ich für einen Sonntag Morgen aber auch respektabel, der Rückstand von bereits 5 Sekunden ist jedoch unter normalen Umständen nicht einholbar. Nach einer Luftfilterkontrolle beim Escort von Holger Alt wurde dieser disqualifiziert, so dass von hinten keine Gefahr mehr drohte. So fuhr der E30 an diesem Tag vier mal 1:17 und ich vier mal 1:22. Es ergab sich also in der Summe eine Differenz von ca. 20Sekunden. Die von mir erreichten Zeiten waren für meine Verhältnisse zwar ca. 2Sekunden zu langsam, im Rückblick auf das Jahr 2009 jedoch völlig zufriedenstellend. Ich konnte am Abend den Wagen völlig unbeschädigt in die Scheune fahren und mich auf das Rennen in Eichenbühl/Unterfranken freuen, das für mich im letzten Jahr ausgefallen ist.

Also fuhr ich am 10.09. hinunter an den Main in das beschauliche Eichenbühl bei Miltenberg. Da ich, wie immer, etwas spät dran war, blieb mir nur ein Platz in zweiter Reihe auf einer großen, aufgeweichten Wiese. Da wir laut Vorhersagen aber mit einer deutlichen Wetterbesserung rechnen konnten, war ich jedoch mit meinem ruhigen Platz mit Schlafgarantie zufrieden. Und tatsächlich blieb der Trainingstag trocken. Am Abend war die Reihenfolge klar: weit vorne agierte Alexander Reder im BMW E36 gefolgt von mir und Holger Alt im Escort. Diese Reihenfolge wiederholte sich noch einmal am Sonntag. Mit einer Gesamtzeit von 5:15 gewann der E36-Pilot deutlich vor mir mit der Gesamtzeit von 5:32 und Holger Alt mit der Gesamtzeit von 5:36. Meine Bestzeit betrug 1:49:761 im dritten und letzten Rennlauf. Somit lag meine Durchschnittsgeschwindigkeit auf der 3,05km langen Strecke mit einer durchschnittlichen Steigung von 5,7% bei ca. 100km/h. Entscheidend für eine gute Zeit auf dieser Strecke ist neben einer gehörigen Portion Mut und Vertrauen in das Material auch die "Hondakurve", aus der viel Geschwindigkeit mit auf die lange Gerade genommen werden muss, die am Ende in eine enge Kurvenkombination kurz vor dem Ziel mündet. Wenn alles gut läuft, wird selbst mit dem "langsamen" Twinspark 150km/h am Ende der Geraden erreicht, bevor dann stark verzögert wird (hier verpasst man den letzten Bremspunkt besser nicht!).

Insgesamt war ich mit der Saison 2010 zufrieden und blickte schon mit neuen Ideen auf das Jahr 2011. Zum Jahreswechsel erfasste mich jedoch eine Pechsträhne, die aus finanzieller Sicht einen erneuten Einsatz des Alfa 75 "Schweiz" im Jahr 2011 in Frage stellt oder gar unmöglich macht. Es muss immer wieder in die Sicherheitsausrüstung und die regelmäßigen Abnahmen investiert sowie die steigenden Lizenz- und Startgebühren bezahlt werden. Die stetig steigenden Benzinpreise machen die Anreise zu den Veranstaltungen zum Kassenschlager für den Staat. Hinzu kommt, dass es wenige oder garkeine Zuschauer an den Strecken gibt, welche die kleineren Gruppe G Autos sehen wollen (LG3-5). Diese Fahrzeuge sind die langsamsten, unspektakulärsten und leisesten im gesamten Feld. Trotzdem wird immer am Limit gefahren um (relativ) gute Zeiten zu erzielen. Das zeigen immer wieder die schweren Unfälle aus allen Leistungsklassen der Gruppe G. Aus meiner Erfahrung wird gerade in der Gruppe G viel "Schmuh" an den Autos betrieben, was zwangsläufig zu dem Versuch führt, immer schneller zu fahren. So ist der Anreiz, in der Gruppe G weiter zu fahren, sehr niedrig. Auch alle anderen Projekte, an denen ich momentan arbeite, werden von den Auswirkungen meiner persönlichen Krise betroffen sein. Vielleicht sollte ich doch lieber Angler werden. Oder Fußballfan.

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