A l f a  7 5  Schweiz

Auf der Pinwand einer Schweizer Internetseite fand ich durch reinen Zufall das Inserat dieses Alfa 75 2,0 TS, der 500 Schweizer Franken Kosten sollte. Da ein Kurzurlaub in Südtirol mit der Giulietta 2,0 anstand, regelte ich den Kauf des Wagens per Telefon mit der netten Verkäuferin aus Sion im Rhonetal. Im Preis inbegriffen war das 300 Franken teure Monatskennzeichen zur Überführung des Wagens. Der Wagen war 8fach bereift, davon war ein Satz auf 15Zoll Mille Miglia Felgen montiert. Leider war der Wagen hinten mit schwarzer Folie in den Fenstern beklebt und auf dem Kofferdeckel stand ein ausgewachsener Spoiler. Aber ich wollte den Wagen eigentlich nur zum schlachten kaufen. Bevor ich zur schweizer Grenze kam, habe ich hinter alle Türverkleidungen geschaut, um sicherzugehen, dass ich nicht unfreiwillig zum Drogenkurier werde (bei dem Preis). Nach insgesamt 24Stunden hinterm Lenkrad sind wir mit unserer Kolonne (meine Freundin hat die Giulietta nach Haus gebracht) zu Hause angekommen. Später brachte ich den 75 zu einem bekannten Landwirt um ihn dort unterzustellen. Der hat natürlich den Schlüssel verloren und ist mit der Egge gegen den Scheinwerfer gefahren. Aber ansonsten war der Wagen in recht gutem Zustand, als ich den Wagen von dort wieder holte, um ihn in sein neues Quartier zu bringen. Ich hatte bei Rheine mehrere Plätze in einer Halle angemietet. Als ich dann den Wagen genauer betrachtete, war er eigentlich zu schade zum zerlegen. Er hatte nur 140000km gelaufen und war vom Blech her ganz gut in Schuss. Er hatte zwar mal einen Unfall, aber der Schaden war dauerhaft repariert und so musste ich den Wagen als Nachfolger der Giulietta anmelden, die durch den fehlenden Kat schier unbezahlbar geworden ist. Schlecht war allerdings, dass die Schweiz nicht zur EU gehört und somit Zoll bezahlt werden musste. Dann jedoch war der Weg zum Kennzeichen frei. Der Nockenwellenverteiler wurde von mir instandgesetzt und das Öl gewechselt. Ein neuer Bremskraftverteiler musste her. Aber dann stand großen Fahrten nichts mehr im Wege. Meine erste Studienarbeit im Rahmen meines Fahrzeugtechnikstudiums fand in Italien statt, wo mich der 75 zuverlässig begleitete. Nachfolgend ein paar Fotos aus dieser Zeit:

Der 75 Schweiz auf dem Weg vom Mittelmeer hoch in Richtung Garessio/Piemonte

 

Und hier bei der Rallye Monte Carlo bei traumhafter Wetterlage

Bei unzähligen Fahrten durch die Colline del Monferrato (Weinanbaugebiet) hatte ich sehr viel Spaß, zumal es dort zu der Jahreszeit (Winter) kaum Verkehr auf den traumhaft schönen Straßen gab...

Hier bei Barbaresco, dem bekannten Weinort im Piemonte

 

Parallel zu dieser Zeit fuhr meine Freundin einen günstig an Land gezogenen Alfa 75 2,0 TS, mit dem sie mich in Savigliano, dem hübschen Städtchen südlich von Torino, besucht hat. Nach der Italienzeit kaufte meine Freundin sich einen Lancia Dedra Kombi und ich meldete diesen 75 ab und fuhr den 75 Klemens weiter, den sie vorher gefahren hat. Das Comeback dieses Wagens kam im Jahre 2004, als der 75 Klemens bereits 260000km gelaufen hatte und seine Zeit als Alltagsauto vorerst abgelaufen war. Seither fahre ich wieder diesen 75 2,0 TS, der mir viel Freude bereitet, im Alltagsbetrieb ohne große Probleme.

Im Winter 2005/2009 habe ich einen vor langer Zeit erworbenen gebrauchten Giulietta-Käfig in den Alfa 75 eingebaut. Im Jahre 2006 bestritt ich die ersten Bergrennen in der Serienklasse Gruppe G. Die erste Saison waren noch die Straßenreifen montiert. Ende 2006 meldete ich den Wagen ab und besorgte mir einen Volvo 945 für jeden Tag. Im Jahr 2007 startete ich mit dem Alfa 75 auf Slicks und mit einem DMSB Wagenpass. In diesem Jahr (2009) hatte ich ausgerechnet auf meiner Heimstrecke in Osnabrück (Hilter/Borgloh) einen heftigen Einschlag ein die Leitplanke. Die Karosserie war knapp davor, so verformt zu sein, dass sie nicht repariert werden konnte. Aber durch Zufall hatte ich eine geschlachtete Karosserie von einem 3.0 in der Scheune stehen, aus der ein Karosserie-Fachbetrieb die linke, vordere Stehwand heraustrennte und auf einer Richtbank in den 75 "Schweiz" wieder einschweißte. Das Ergebnis ist gut und so stehen die Chancen gut, dass der Wagen 2010 wieder am Start steht.

Beim Bergrennen Unterfranken in Eichenbühl 2008

 

Nach dem Unfall beim Bergrennen Osnabrück in meiner Scheune (das Lenkrad steht übrigens gradeaus)

Die Mille Miglia Felgen sind verloren

 

genauso die Tür

 

der Heckbereich ist auch mitgenommen

 

der Längsträger war auch mal gerade...KO-Kriterium für das Seitenteil!

 

Als ich den geschweißten Wagen aus der Karosseriewerkstatt wieder nach Hause geholt habe, begann für mich die eigentliche Arbeit. Die eingeschweißte linke Stehwand aus dem Amerika V6 war in einem sehr schlechten Zustand und außerdem mussten diverse Bauteile ab- beziehungsweise umgebaut werden. 

 

eingeschweißtes Ersatzteil

 

Das Karosserieblech im Bereich der vorderen Zugstrebenaufnahme und unter der Batterieaufnahme waren völlig durchlöchert, die Aufnahme für das Luftansaugrohr sowie die Stoßstangenaufnahme mussten auf die des TS umgebaut werden, um einige Beispiele zu nennen. Die Tür hinten links sowie der Kotflügel vorne links sind total verbogen bzw. aufgerissen, so dass Ersatzteile verbaut werden mussten. Die Stoßstange ist ebenfalls ziemlich mitgenommen, konnte jedoch mit viel Aufwand wieder instand gesetzt werden. Da neue Farbe auf nahezu die komplette linke Seite aufgetragen musste (Stoßstange vorne, Stoßstange hinten, Schwellerverkleidung, Fahrertür, Tür hinten links, Seitenteil hinten links, Kotflügelverbreiterung hinten links), habe ich mich notgedrungen mit dem Thema Lackieren beschäftigt. Das Ergebnis ist für den ersten Versuch und einer Lackiertemperatur von maximal 15°C akzeptabel aber ausbaufähig.

instandgesetzte und lackierte Kunststoffteile

Lackierte Türen und angebaute Vorderradaufhängung

Das Lenkgetriebe ist irreparabel zerstört und musste ersetzt werden. Da der Motor demontiert war, habe ich den hinteren Wellendichtring ersetzt und das letzte KW-Lager neu gedichtet. Aufgrund verbogener Kugelgelenke und Querlenker musste ich diese ebenfalls austauschen. 

Anfang Februar habe ich im Prinzip mit dem Zusammenbau des Fahrzeuges begonnen und am 18. Februar 2010 erwachte der TS-Motor erneut zum Leben. Beim Zusammenbau habe ich noch die vordere Gelenkscheibe (Unbrauchbar nach der Einsatzdauer von ca. 8 Rennen) ersetzt. Es war bis dahin eine Menge Arbeit, da viele Kleinigkeiten anfielen, die enorm viel Zeit beansprucht haben. Um diese Kleinigkeiten alle hier aufzuführen, würde ebenfalls zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Jetzt ist es Anfang April und der Wagen ist wieder komplett. Allerdings hat sich das unvorhergesehenermaßen verzögert. Als ich vor ca. 3 Wochen den Wagen zusammengebaut habe und alles soweit in Ordnung war, habe ich das Auto gewaschen und wollte grob die Spur einstellen. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass die Hinterachse auch Schaden vom Unfall davon getragen hat. Und zwar war sowohl das Achsrohr als auch die Aufnahme des Wattgestänges deformiert. Also musste ich noch eben die Achse tauschen und die Aufnahme mit einem dicken Backstein wieder in Form bringen. Danach hab ich alles gut verschweißt und wieder zusammen gebaut. Und nun ist hoffentlich alles klar zum starten. Lediglich die Achsgeometrie muss noch feineingestellt werden. Die Lizenz ist bereits beantragt.

 

       

Deformierte Watt-Gestänge-Aufnahme                                                            Komplettiertes Fahrzeug von hinten

 

Komplettiertes Fahrzeug von vorne

 

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